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Immobilien machen Scheidungspaare arm

Wenn eine Ehe scheitert und die Scheidung droht, stellt die gemeinsame Immobilie ziemlich schnell die größte Kostenfalle dar und führt oft zur Verschuldung des Scheidungspaares.

Täglich in Deutschland erwischt es viele Ehen: Der Partner gesteht dem anderen Partner, dass er oder sie aus dem gemeinsamen Haus ausziehen solle und er oder sie die Scheidung wolle. Der im Haus verbleibende Partner findet sich wenige Tage später allein in dem gemeinsamen Haus wieder, was man einst als gemeinsames Familiennest erstanden und gemeinsam finanziert hatte.

Den verlassenen Partner plagten fortan die Gedanken um die langfristige Tragbarkeit der eigenen Immobilie, wenn gleichzeitig laufende monatliche Unterhaltszahlungen und der zweiter Haushalt die finanziellen Spielräume des in Scheidung lebenden Paares sehr einschränken. Wie sollten Kreditraten, Versicherungen, Steuern und die laufenden Nebenkosten dauerhaft bezahlt werden? Und war es überhaupt sinnvoll, das Haus zu halten und womöglich allein zu bewohnen nach einer Scheidung?

Scheidung - Immobilie

 

Eine Scheidung schmerzt

Scheiden tut weh – und eine Scheidung bedeutet nicht nur emotionales Leiden, sondern auch finanzielle Sorgen. Laut statistischem Bundesamt wird schätzungsweise jede dritte Ehe in Deutschland inzwischen geschieden. Dies ist eine sehr hohe Rate gegenüber den Statistiken aus den 90er Jahren. Inzwischen ist die Scheidung vollkommen zur alltäglichen Routine für die Amtsgerichte und Scheidungsanwälte geworden und es treffen viele Paare die finanziellen Folgen einer Trennung oftmals unvorbereitet und der Weg in die Überschuldung und Schuldenfalle zieht weite Kreise mit sich. Es drohen den einstigen Weggefährten im schlimmsten Fall sogar Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit bis zur Privatinsolvenz und Zwangsversteigerung des einst liebevoll eingerichteten und müheselig erstandenen Eigenheims.

Finanziell riskant ist es insbesondere, wenn Paare über Scheidungsanwälte streiten, was mit der gemeinsamen Immobilie geschehen soll. Juristisch sind viele Regelungen möglich, in der Praxis geht es aber vor allem dann glimpflich nach einem langen juristischen Tauziehen für beide Seiten aus, wenn sie sich über die weitere Verwendung des Eigenheims einig geworden sind.

Die Rechtslage ist klar

„Die früher gemeinsam bewohnte Immobilie ist in der Regel der wertvollste Vermögensgegenstand der Familie“, sagt Sylvia Kramer, Geschäftsführerin der Pacemark Finance GmbH. „Laut BGB ist die Verfügung über einen wesentlichen Vermögensgestand nur mit Zustimmung des anderen Ehepartners möglich – auch wenn nur ein Partner im Grundbuch als Eigentümer eingetragen wurde.“

Schwer für eine Einigung ist dabei regelmäßig, dass das eigene gehegte und gepflegte Haus bei den jeweiligen Eigentümern sehr stark emotional verankert ist und die Immobilie gerade für Kinder als Nest und familiärer Rückzugsort im Fall einer Scheidung erhalten werden soll. Ohne gemeinsame Einigung entscheiden aber letztlich die Scheidungsgerichte. Die Gerichte können sogar die Zwangsversteigerung der Immobilie veranlassen, wenn keine gemeinsame Lösung der früheren Weggefährten erzielt werden kann.

Klare Verhältnisse und Regeln gehen vor, wenn das getrennt lebende Paar in weiser Voraussicht auf eine Scheidung eine Aufteilung der Gütern und des Vermögens in einem zuvor notariell geschlossenen Ehevertrag miteinander vereinbart hat. Trotz steigender und zunehmender Scheidungsraten ist die Gütertrennung in Deutschland immer noch eine sehr große Ausnahme. Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Ehepaare lebt in der juristischen Sprache gesprochen, in der sogenannten „Zugewinngemeinschaft“. Dies bedeutet: Während der Ehe angeschaffte Güter, Vermögen und Schulden gehören gleichermaßen beiden Partnern und werden gegeneinander bei einer Scheidung aufgerechnet und geteilt. Im Fall einer Scheidung sorgen Scheidungsrichter und Scheidungsanwälte dann dafür, dass beide über den sogenannten Zugewinnausgleich so gestellt werden, dass keinem der beiden ein materieller Nachteil aus den Ehejahren entsteht.

Die Umsetzung ist schwer

Das klingt einfacher als es sich in der Praxis erweist, denn für den Zugewinnausgleich müssen sowohl die finanziellen Vermögensverhältnisse sowie die materielle Ausstattung zum Zeitpunkt der Heirat erfasst werden – als auch während der Ehejahre entstandene Vermögenszuwächse, die sogenannten Zugewinne. Es muss also präzise für das Scheidungsgericht ermittelt werden können, welches Vermögen, welche Schulden und welche Güter sich während der Ehejahre angesammelt haben um einen Vermögensausgleich bei der Ehescheidung vornehmen zu können.

In vielen Fällen ist sogar ein Sachverständiger notwendig geworden, die finanzielle Situation des Scheidungspaares neutral zu bewerten – vor allem wenn Immobilien, Antiquitäten und Kunstgegenstände oder Beteiligungen an Fonds und Wertpapiere zum Vermögen des getrennt lebenden Ehepaares gehören. Das gemeinsame Eigenheim macht bei einer Scheidung und Uneinigkeit unter den früheren Partnern immer Komplikationen.

Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie hoch die Verbindlichkeiten und Schulden, die geleistete Kredittilgung und der Wertzuwachs der betroffenen Immobilie während der gemeinsamen Jahre waren. Es geht vielmehr darum, ob und welcher der Partner das Eigenheim weiter bewohnt und wer von beiden die monatlichen Kreditraten, Steuern, Versicherungen und die übrigen Nebenkosten wie Strom und Wasser zahlt, ob die Grundbucheintragung geändert oder die Immobilie im Zuge des Zugewinnausgleichs doch veräußert oder bei Nichteinigung unter den Parteien doch zwangsversteigert werden muss.

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